Der Jeep Renegade ist der Kompakt-SUV mit Charakter: markantes Design, echtes Jeep-Image und in der Trailhawk-Version sogar ordentliche Geländefähigkeiten. Technisch teilt er sich die Plattform mit dem Fiat 500X, was ihn zugleich zum Fiat-Chrysler-Mischling macht. Als Gebrauchter ist er gefragt, und das Angebot reicht vom frühen Benziner um die 11.000 Euro bis zum jungen, gut ausgestatteten Exemplar jenseits von 22.000 Euro.
“Jeep Renegade gebraucht” ist keine simple Kaufentscheidung. Die MultiAir-Benziner, die MultiJet-Diesel und vor allem das DDCT-Doppelkupplungsgetriebe haben eigene Schwachstellen, und je nach Motor-Getriebe-Kombination unterscheidet sich das Risiko erheblich. Wer die Technik kennt, findet einen charmanten und robusten Renegade. Wer sie ignoriert, kann an Getriebe oder Elektronik viel Geld verlieren.
Dieser Ratgeber führt Sie durch die Motoren, das Getriebe und die Schwachstellen, damit Sie ein gesundes Exemplar finden.
Welchen Renegade kaufen: Baujahr und Facelift
Der Renegade kam 2014 auf den Markt und wurde 2018 spürbar überarbeitet (Facelift mit neuen Turbo-Benzinern der Firefly-Familie und modernisierter Elektronik). Frühe Exemplare vor dem Facelift sind günstiger, aber technisch etwas älter. Ab dem Facelift 2018 gibt es modernere Motoren, mehr Assistenzsysteme und ein besseres Infotainment.
Ein Punkt, den man kennen muss: Über die Bauzeit gab es verschiedene Motor- und Getriebekombinationen, darunter das umstrittene Doppelkupplungsgetriebe. Klären Sie vor der Besichtigung genau, welcher Motor und welches Getriebe verbaut sind, und gleichen Sie das über die FIN ab. Wie Sie eine Fahrzeughistorie richtig lesen, zeigt der verlinkte Beitrag.
Benzinmotoren: MultiAir und Firefly
Die Benziner reichen vom früheren 1.4 MultiAir Turbo bis zu den späteren 1.0 und 1.3 Firefly Turbo (nach dem Facelift).
- Der 1.4 MultiAir ist verbreitet und temperamentvoll, hat aber das MultiAir-System (eine elektrohydraulische Ventilsteuerung), das bei Vernachlässigung der Ölwechsel und mit den Jahren Probleme machen kann. Saubere, regelmäßige Ölwechsel sind hier Pflicht.
- Die Firefly-Motoren (1.0 und 1.3 Turbo) sind moderner. Der 1.3 Turbo ist die ausgewogene Wahl, der 1.0 Dreizylinder ist sparsam, aber im SUV knapp bei Kraft.
Bei allen Benzinern gilt: Turbolader und Kühlsystem im Auge behalten, sauberer Motorlauf, keine Warnleuchten. Lassen Sie den Fehlerspeicher per OBD auslesen. Ein Hinweis zum Charakter des Renegade: Er ist schwerer als ein klassischer Kompaktwagen, weshalb die kleinen Turbos entsprechend arbeiten müssen. Der 1.3 Firefly Turbo passt hier am besten, weil er genug Drehmoment bietet, ohne ständig am Limit zu laufen. Der 1.0 Dreizylinder ist für einen voll beladenen Renegade oder Anhängerbetrieb zu schwach.
Diesel: die MultiJet-Motoren
Die Diesel im Renegade sind die 1.6 und 2.0 MultiJet (das Diesel-Konzept aus dem Fiat-Chrysler-Baukasten). Sie sind sparsam und kräftig, der 2.0 MultiJet ist in Verbindung mit Allrad die richtige Wahl für echten Geländeeinsatz. Die klassischen Diesel-Kontrollpunkte:
- DPF: Kurzstreckenbetrieb setzt den Partikelfilter zu. Wie Sie einen verstopften DPF erkennen, lesen Sie im verlinkten Beitrag.
- AGR-Ventil: Verkokung durch Ruß, typisch bei Stadtbetrieb.
- Injektoren und Turbolader: bei höheren Laufleistungen kontrollieren.
- Zweimassenschwungrad: Vibrationen und Rasseln im Leerlauf abhören.
Der Diesel lohnt sich nur bei echten Langstrecken, wie der Beitrag Benziner, Diesel, Hybrid oder Elektro gebraucht erklärt. Für den überwiegenden Stadtbetrieb ist ein Benziner die bessere Wahl.
Getriebe: der kritische Punkt
Beim Renegade entscheidet das Getriebe maßgeblich über die Zuverlässigkeit:
- Der 6-Gang-Handschalter ist die unkomplizierteste Wahl, hier prüfen Sie nur die Kupplung.
- Das DDCT (Doppelkupplungsgetriebe, sechsstufig) hat den zweifelhaftesten Ruf. Es kann ruckeln, überhitzen und teure Reparaturen an Kupplungspaketen und Mechatronik nach sich ziehen. Bewerten Sie es auf der Probefahrt gnadenlos: sauberer Antritt ohne Ruckeln, keine Verzögerung beim Beschleunigen, kein Überhitzungswarnhinweis.
- Die spätere 9-Gang-Wandlerautomatik (in stärkeren und Allrad-Versionen) ist grundsätzlich komfortabler, sollte aber ebenfalls sauber und ruckfrei schalten.
Jede Auffälligkeit am Getriebe ist ein starkes Argument für die Preisverhandlung oder ein Grund, das Auto stehen zu lassen. Mehr zu Getriebeproblemen im Beitrag Getriebeprobleme erkennen.
Karosserie, Fahrwerk und Elektronik
Der Renegade ist solide gebaut, aber ein paar Punkte tauchen auf:
- Elektronik und Infotainment: Das Uconnect-System kann zicken, testen Sie Bildschirm, Kamera, Sensoren und alle elektrischen Funktionen. Frühe Exemplare hatten mehr Elektronik-Themen.
- Fahrwerk: Koppelstangen, Buchsen und Domlager verschleißen, Klappern abhören. Bei Geländeeinsatz Unterboden auf Beschädigungen prüfen.
- Rost: Radläufe, Schweller und Unterboden bei älteren Exemplaren kontrollieren.
- Allradsystem: Bei den 4x4-Versionen die Funktion und das Verteilergetriebe prüfen.
- Klimaanlage: Kühlleistung testen.
Ein systematischer Rundgang mit Schichtdickenmessgerät entlarvt einen als unfallfrei angebotenen Unfallwagen.
Was kostet ein gebrauchter Jeep Renegade in Deutschland
Grobe Orientierung nach Baujahr, Motor und Laufleistung:
- Renegade 2015 bis 2017, 1.4 MultiAir oder 1.6 MultiJet, 120.000 bis 180.000 km: meist 10.000 bis 14.000 Euro.
- Renegade 2018 bis 2020, Firefly Turbo, gepflegt: meist 14.000 bis 20.000 Euro.
- Renegade 2021 bis 2022, niedrige Laufleistung, gute Ausstattung: meist 20.000 bis 26.000 Euro.
Ein auffallend günstiges Exemplar kann ein defektes DDCT, versteckte Mängel oder einen gedrehten Tacho bedeuten. Den zurückgedrehten Tacho erkennen und die Laufleistung einordnen mit wie viele Kilometer zu viel sind.
Worauf achten und was über die FIN prüfen
Als Checkliste für den Renegade:
- Getriebe bestimmen: Handschalter unkompliziert, DDCT-Doppelkupplung besonders kritisch testen.
- Beim 1.4 MultiAir auf saubere Ölwechsel und das MultiAir-System achten.
- Beim Diesel DPF, AGR und Injektoren prüfen.
- Elektronik und Uconnect gründlich durchtesten.
- Bei 4x4 das Allradsystem kontrollieren.
- FIN-Historie: Vorbesitzer, HU-Berichte, Schäden, Import.
Wie eine strukturierte Prüfung abläuft, beschreibt der Beitrag Gebrauchtwagen prüfen in Deutschland.
Wie MotoPPI beim Renegade-Kauf hilft
Gerade beim Renegade mit seinem kritischen DDCT-Getriebe ist eine gründliche Prüfung Gold wert. MotoPPI ruft die Historie über die FIN ab, führt Sie durch eine modellspezifische Checkliste mit den Schwachstellen des Renegade (Getriebe, MultiAir, Diesel-Kontrollpunkte), hilft beim OBD-Auslesen und beim Messen der Lackdicke und erstellt einen Bericht für die Verhandlung. Die erste Prüfung ist kostenlos.
Lesen Sie auch
- Gebrauchtwagen prüfen in Deutschland
- Getriebeprobleme erkennen
- Fiat Tipo gebraucht: Mängel
- Probefahrt-Checkliste
FAQ
Welcher Motor im Jeep Renegade ist am besten?
Der 1.3 Firefly Turbo (nach dem Facelift) gilt als ausgewogene Benziner-Wahl. Der 1.4 MultiAir ist temperamentvoll, verlangt aber saubere Ölwechsel. Bei Dieseln ist der 2.0 MultiJet mit Allrad die Wahl für Geländeeinsatz.
Ist das DDCT-Getriebe im Renegade zuverlässig?
Das DDCT-Doppelkupplungsgetriebe hat den schwächsten Ruf, es kann ruckeln, überhitzen und teure Reparaturen verursachen. Testen Sie es auf der Probefahrt sehr gründlich. Handschalter und die spätere 9-Gang-Wandlerautomatik sind unkomplizierter.
Benziner oder Diesel im Renegade?
Für Stadt und Alltag der Benziner. Der Diesel lohnt sich nur bei hohen Autobahn-Laufleistungen oder echtem Geländeeinsatz mit dem 2.0 MultiJet und Allrad.
Was kostet ein gebrauchter Jeep Renegade?
Grob von rund 10.000 Euro für ein frühes Exemplar mit hoher Laufleistung bis etwa 26.000 Euro für ein junges, gepflegtes Modell.
Ist der Renegade ein echter Geländewagen?
In der Trailhawk-Version mit Allrad und Geländeuntersetzung ja, er ist gelände-fähiger als viele Konkurrenten. Die Fronttriebler-Versionen sind eher lifestyle-orientierte Kompakt-SUV.