Die FIN (Fahrgestellnummer, international VIN) ist die 17-stellige “Sozialversicherungsnummer” eines Autos. Aus ihr lesen Sie Historie, Herkunft, Werksausstattung und - beim Kauf am wichtigsten - ob das Auto gestohlen oder ein Unfallwagen ist und ob die Angaben stimmen. Die FIN zu prüfen ist das Erste, was ich bei jedem Auto mache, noch bevor ich zur Besichtigung fahre.
Wo die FIN steht
Die FIN ist an mehreren Stellen (und genau das erlaubt es, Betrug zu erkennen):
- Zulassungsbescheinigung (Fahrzeugschein/-brief).
- Windschutzscheibe, unten auf der Fahrerseite - ein von außen sichtbares Schild.
- B-Säule (am Türscharnier der Fahrerseite) - ein Aufkleber.
- Motorraum - in die Karosserie eingeprägt oder auf dem Typenschild.
- Unter Sitz / Teppich auf der Fahrerseite - in vielen Autos in den Boden eingeprägt.
- Versicherungspolice, Servicerechnungen.
Erster Test: Ist die FIN an jeder Stelle identisch. Ein Unterschied von auch nur einem Zeichen = ein Alarmsignal (umgeschlagene Nummer, aus zwei Autos zusammengesetzt, gestohlen).
Wie man eine FIN liest (Grundlagen)
17 Zeichen, ohne die Buchstaben I, O, Q (zur Vermeidung von Verwechslungen mit 1 und 0):
- Zeichen 1-3 (WMI) - Hersteller und Land. Z.B.
WBA= BMW Deutschland,WVW= VW Pkw,SAL= Land Rover. - Zeichen 4-9 (VDS) - Modell, Karosserietyp, Motor, manchmal eine Prüfziffer.
- Zeichen 10 - das Modelljahr (z.B.
L=2020,M=2021,N=2022,P=2023,R=2024,S=2025). Prüfen, ob es zum angegebenen Baujahr passt. - Zeichen 11 - Montagewerk.
- Zeichen 12-17 - Seriennummer des Exemplars.
Einfachster Schnelltest: Das Modelljahr (Zeichen 10) muss passen zum angegebenen Baujahr. Eine Abweichung = jemand trickst.
Was Sie per FIN prüfen können - kostenlos
- Nationale Fahrzeughistorie-Datenbank - Kilometerstände aus der HU, Anzahl der Halter, Zulassungsdaten, Status. Die wichtigste kostenlose Quelle (je nach Land verschiedene Anbieter).
- Rückrufe - die FIN auf der Herstellerseite eingeben zeigt, ob das Auto Werksmängel mit kostenloser Reparatur hatte (und ob sie durchgeführt wurde).
- Datenbanken gestohlener Fahrzeuge - national und Interpol.
- Google: “VIN [Nummer] copart” oder “iaai” - wenn das Auto durch eine US-Salvage-Auktion ging, erscheint es oft mit Schadenskarte und Fotos vor der Reparatur.
Was Sie per FIN prüfen können - kostenpflichtig
- carVertical, autoDNA und ähnliche - bündeln Daten aus vielen Ländern: Kilometerstände, Schäden, Auktionsfotos, Auslandshistorie. Kostenpflichtig, aber bei einem Importauto oft lohnend.
- Digitale Servicehistorie beim Markenhändler - per FIN druckt der Händler (BMW, VAG, Mercedes…) jeden Servicebesuch mit Kilometerständen aus. Schwer zu fälschen, hervorragend zur Erkennung eines zurückgedrehten Tachos.
Warnsignale bei der FIN-Prüfung
- FIN unterscheidet sich an verschiedenen Stellen des Autos - umgeschlagene Nummer, zusammengesetztes Auto.
- FIN-Schild mit werksfremden Nieten vernietet, Klebespuren, schief - getauscht.
- Modelljahr (Zeichen 10) ≠ Baujahr im Inserat.
- Verkäufer verdeckt die FIN, will sie nicht nennen, “gebe ich Ihnen vor Ort” - ein Klassiker, damit Sie vor dem Besuch nicht prüfen.
- WMI passt nicht zur Marke (z.B. Inserat sagt “BMW”, aber die FIN beginnt mit dem Code eines anderen Herstellers).
- Auto abgemeldet / “zur Reparatur” in der Datenbank, während es als fahrbereit inseriert ist.
Wie ich das in der Praxis mache
- Vor der Abfahrt: Ich nehme die FIN aus dem Inserat (ein ehrlicher Verkäufer nennt sie sofort) und prüfe die Historie-Datenbank + Google auf US-Auktionen + Rückrufe. Das filtert 30-40% der Autos aus, ohne das Haus zu verlassen.
- Vor Ort: Ich vergleiche die FIN von allen Stellen am Auto - ob sie untereinander und mit der Zulassungsbescheinigung übereinstimmen.
- Bei einem Importauto: Ich kaufe einen Bericht aus einer ausländischen Datenbank, weil die lokale Historie erst mit der Zulassung im Land beginnt.
Statt fünf Datenbanken einzeln durchzuklicken, fügen Sie in MotoPPI einen Inserat-Link oder einfach die FIN ein, und der Bericht kombiniert Historie, Herkunft, Salvage-Auktionen und Warnhinweise an einem Ort - mit einer fertigen Checkliste, was vor Ort am Auto zu prüfen ist.
Die häufigste Frage: Reicht die FIN allein?
Nein. Die FIN verrät Ihnen Historie und Herkunft - ein großer Teil der Entscheidung. Aber den technischen Zustand “hier und jetzt” (Lack, Kaltstart, Spiel, Korrosion) zeigt sie nicht. FIN-Prüfung + Vor-Ort-Besichtigung ergeben das vollständige Bild. Die FIN filtert Fallen aus, bevor Sie einsteigen; die Besichtigung schließt die Entscheidung ab.