Es blitzt kurz auf, und schon beginnt das Warten. Jeder, der schon mal geblitzt wurde, kennt das mulmige Gefühl in den Tagen danach: Kommt jetzt ein Bußgeld, wie teuer wird es, und ab wann kann ich aufatmen? Rund um das Blitzer-Bußgeld kursieren viele Halbwahrheiten. Manche glauben, wenn nach zwei Wochen nichts kommt, sei die Sache erledigt. Andere denken, ein unscharfes Foto zähle nicht. Beides stimmt so nicht. Hier erfahren Sie, wie ein Blitzer-Bußgeld wirklich funktioniert.
Zunächst: Nicht jeder Blitz führt zu einem Bescheid. Manche Blitzer werden ausgelöst, ohne dass am Ende ein verwertbares Foto entsteht, etwa bei einem Messfehler oder wenn das Kennzeichen nicht lesbar ist. Aber verlassen sollten Sie sich darauf nicht.
Wann kommt der Bescheid?
Der häufigste Irrglaube: Wenn innerhalb von zwei Wochen nichts kommt, ist man raus. Das stimmt nicht. Zwar sollte der sogenannte Anhörungsbogen zügig verschickt werden, aber die eigentliche Frist ist die Verjährung, und die liegt bei einfachen Geschwindigkeitsverstößen bei drei Monaten.
In der Praxis kommt der Anhörungsbogen oder direkt der Bußgeldbescheid meist innerhalb von zwei bis sechs Wochen nach dem Blitzen. Bei viel Verkehr in der Behörde kann es aber auch länger dauern. Erst wenn drei Monate vergangen sind, ohne dass die Behörde tätig wurde, tritt Verjährung ein, und dann darf kein Bußgeld mehr verhängt werden. Diese Frist kann sich allerdings durch bestimmte Verfahrensschritte verlängern.
Anhörungsbogen und Bußgeldbescheid: der Unterschied
Zwei Dokumente sollten Sie unterscheiden:
- Anhörungsbogen: Damit fragt die Behörde, wer gefahren ist. Sie müssen Angaben zu Ihrer Person machen, aber niemand ist verpflichtet, sich selbst zu belasten. Zum Fahrer müssen Sie nichts sagen.
- Bußgeldbescheid: Das ist die verbindliche Entscheidung mit Höhe des Bußgelds, eventuellen Punkten und Fahrverbot. Erst gegen den Bescheid können Sie innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen.
Der Bußgeldbescheid gilt als zugestellt, sobald er in Ihrem Briefkasten liegt, nicht erst wenn Sie ihn öffnen. Die Zwei-Wochen-Frist für den Einspruch beginnt also mit der Zustellung, nicht mit dem Lesen.
Wie hoch fällt das Bußgeld aus?
Die Höhe richtet sich nach dem bundesweiten Bußgeldkatalog. Ein paar Anhaltspunkte für Geschwindigkeit innerorts:
- Bis 10 km/h zu schnell: ein niedriges zweistelliges Bußgeld, keine Punkte.
- 11 bis 15 km/h: etwas höher, noch keine Punkte.
- Ab etwa 21 km/h zu schnell: ein Punkt in Flensburg kommt hinzu.
- Ab 31 km/h innerorts: in der Regel ein Punkt und ein drohendes Fahrverbot ab etwa 60 km/h Überschreitung.
Außerorts sind die Grenzen etwas großzügiger. Wichtig ist, dass die Behörde von der gemessenen Geschwindigkeit eine Toleranz abzieht (meist 3 km/h oder 3 Prozent), bevor der Verstoß berechnet wird. Kommen Punkte hinzu, sollten Sie Ihren Stand im Blick behalten, mehr dazu im Beitrag Punkte in Flensburg abfragen.
Foto, Fahrer und Halterhaftung
Ein häufiges Missverständnis betrifft die Frage, wer zahlt. In Deutschland gilt die Fahrerhaftung, nicht die Halterhaftung. Bestraft wird also die Person, die tatsächlich gefahren ist, nicht automatisch der Halter. Deshalb versucht die Behörde über das Foto und den Anhörungsbogen, den Fahrer zu ermitteln.
Ist der Fahrer nicht eindeutig identifizierbar, etwa weil das Foto unscharf ist oder mehrere Personen das Auto nutzen, kann das Verfahren eingestellt werden. Allerdings kann die Behörde dann unter Umständen eine Fahrtenbuchauflage anordnen, sodass Sie künftig dokumentieren müssen, wer wann fährt. Das Foto muss übrigens den Fahrer erkennbar zeigen, damit eine Zuordnung gelingt.
Lohnt sich ein Einspruch?
Ein Einspruch kann sich lohnen, wenn Zweifel an der Messung bestehen, das Foto Sie nicht eindeutig zeigt oder Formfehler im Bescheid vorliegen. Sie haben das Recht auf Akteneinsicht und können die Messunterlagen prüfen lassen. Bei kleinen Bußgeldern ohne Punkte lohnt der Aufwand meist nicht, bei drohendem Fahrverbot dagegen oft schon. In dem Fall hilft ein spezialisierter Anwalt.
Was hat das mit dem Autokauf zu tun?
Direkt nichts, denn Bußgelder hängen am Fahrer. Aber das Thema erinnert daran, wie wichtig funktionierende Technik ist. Ein Tacho, der falsch anzeigt, oder ein manipulierter Kilometerstand können beim Gebrauchtwagen für böse Überraschungen sorgen. Wenn Sie einen Gebrauchten kaufen, prüfen Sie das Fahrzeug gründlich. Die App MotoPPI unterstützt Sie dabei mit einer Checkliste und dem Auslesen der Fehlerspeicher, sodass technische Mängel nicht unbemerkt bleiben.
Wie viel ein Auto im Alltag wirklich kostet, wenn man Bußgelder, Sprit und Wartung zusammenrechnet, zeigt der Beitrag zu den Unterhaltskosten eines Gebrauchtwagens. Und wer viel fährt, kann mit dem Beitrag Spritkosten und Verbrauch berechnen die laufenden Kosten in den Griff bekommen.
Kurz gesagt
Nach einem Blitzer heißt es nicht automatisch aufatmen, nur weil nach zwei Wochen nichts im Briefkasten liegt. Entscheidend ist die dreimonatige Verjährungsfrist. In der Praxis kommt der Anhörungsbogen oder Bescheid meist innerhalb von zwei bis sechs Wochen. Prüfen Sie den Bescheid genau, denn nur gegen den Bußgeldbescheid selbst können Sie innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen. Wer defensiv fährt, muss sich um all das ohnehin keine Gedanken machen.