Occasionen sind in der Schweiz teuer. Der Blick über die Grenze nach Deutschland ist deshalb naheliegend: grösserer Markt, oft tiefere Preise und, wie wir gleich sehen, häufig sogar eine bessere Datenlage zur Fahrzeughistorie. Kein Wunder, dass viele Schweizer ein Auto direkt importieren.
Der Import ist gut machbar, aber die Schweiz ist nicht in der EU. Das bedeutet Zoll, Einfuhrsteuern und ein paar Formulare, die stimmen müssen, sonst bekommen Sie das Auto nicht zugelassen. Wer die Kosten vorher nicht rechnet, erlebt an der Grenze oder beim Strassenverkehrsamt eine böse Überraschung.
In diesem Artikel gehen wir den Import Schritt für Schritt durch: welche Steuern anfallen, welche Formulare Sie brauchen, wie die MFK ins Spiel kommt und mit welchem Rechenbeispiel Sie kalkulieren können.
Was kostet der Import? Die Steuern
Beim Import eines Autos in die Schweiz fallen zwei Abgaben an, berechnet auf dem Fahrzeugwert:
- Automobilsteuer: 4 %
- Mehrwertsteuer (MWST): 8,1 %
Rechenbeispiel für ein Auto im Wert von 30’000 Euro:
- Automobilsteuer: rund 1’180 CHF
- MWST: rund 2’485 CHF
Zusammen sind das grob 3’600 bis 3’700 CHF an Abgaben, die zum Kaufpreis dazukommen. Diese Summe müssen Sie in Ihre Kalkulation einbeziehen, bevor Sie entscheiden, ob sich der Import gegenüber einer Occasion im Inland lohnt. Wechselkurs und Transportkosten kommen noch dazu.
Wichtig ist die Reihenfolge der Berechnung. Die Automobilsteuer von 4 % wird auf dem Fahrzeugwert erhoben, und die Mehrwertsteuer von 8,1 % legt sich obendrauf. Der massgebende Wert ist nicht zwingend Ihr Kaufpreis, sondern der vom Zoll anerkannte Wert des Fahrzeugs. Bei einem sehr günstigen Kauf kann es also sein, dass der Zoll einen höheren Wert ansetzt. Halten Sie den Kaufvertrag und Zahlungsbelege bereit, damit Sie den tatsächlichen Kaufpreis belegen können.
Der Fehler, den viele machen: Sie vergleichen den nackten Kaufpreis in Deutschland mit dem Inseratpreis in der Schweiz und übersehen, dass beim Import noch mehrere Tausend Franken dazukommen. Ein Auto, das in Deutschland 5’000 Euro günstiger ist, kann nach Steuern, Transport und MFK plötzlich kaum mehr Ersparnis bringen. Rechnen Sie deshalb immer die Gesamtkosten.
Die Formulare: 13.20 A und 13.20 B
Die Verzollung läuft über das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG). Zwei Formulare sind wichtig:
- Formular 13.20 A (Veranlagungsverfügung / Verzollungsnachweis): Das ist der entscheidende Nachweis. Ohne dieses Dokument können Sie das Fahrzeug nicht zulassen. Bewahren Sie es sicher auf.
- Formular 13.20 B: Das ergänzende Formular im Einfuhrverfahren.
Der Verzollungsnachweis 13.20 A ist die Brücke zwischen Grenze und Strassenverkehrsamt. Ohne ihn stehen Sie mit einem Auto da, das Sie nicht fahren dürfen.
Von der Grenze zur Zulassung
Der Ablauf in der Reihenfolge:
- Kauf im Ausland und Klärung der Ausfuhr im Herkunftsland (in Deutschland Ausfuhrkennzeichen und Papiere).
- Verzollung an der Schweizer Grenze: Automobilsteuer und MWST bezahlen, Formular 13.20 A erhalten.
- MFK vereinbaren: Importierte Fahrzeuge müssen in der Regel zur MFK, damit die Verkehrstauglichkeit für die Schweiz bestätigt wird.
- Zulassung beim kantonalen Strassenverkehrsamt: Sie legen den MFK-Bericht, den Verzollungsnachweis 13.20 A und den Nachweis der Versicherung vor. Dann erhalten Sie den Fahrzeugausweis und das Kontrollschild.
Rechnen Sie mit etwas Zeit und Aufwand. Dafür bekommen Sie ein Fahrzeug, das oft günstiger und besser dokumentiert ist als eine vergleichbare Inland-Occasion.
Planen Sie für den gesamten Ablauf mehrere Tage bis Wochen ein, je nachdem, wie schnell Sie einen MFK-Termin bekommen und wie ausgelastet Ihr kantonales Strassenverkehrsamt ist. In der Zwischenzeit dürfen Sie das Fahrzeug nicht regulär im Verkehr bewegen. Klären Sie deshalb vorab, wie Sie das Auto von der Grenze zur MFK und zum Strassenverkehrsamt bringen, etwa mit Tagesausweisen oder einem Transport.
Direktimport und Grauimport
Beim Import unterscheidet man oft zwischen offiziellen Importen und sogenannten Direkt- oder Grauimporten. Der Unterschied betrifft vor allem die Garantie. Bei einem Direktimport kann es sein, dass die Herstellergarantie ab dem Land der Erstinverkehrsetzung läuft und nicht ab dem Kauf in der Schweiz. Prüfen Sie deshalb genau, ob und wo eine Garantie noch besteht, bevor Sie kaufen.
Auch beim Wert lohnt sich ein zweiter Blick. Für Direktimporte kann in der Eurotax-Bewertung ein Abschlag von bis zu rund 10 % anfallen. Das bedeutet: Ein Importfahrzeug ist beim späteren Wiederverkauf tendenziell etwas weniger wert als ein vergleichbares, in der Schweiz erstmals zugelassenes Auto. Das muss kein Ausschlusskriterium sein, gehört aber in Ihre Rechnung.
Gerade bei Importen zahlt sich ein neutraler TCS-Fahrzeugcheck aus. Er kostet einen Bruchteil des Kaufpreises und deckt Mängel auf, die auf dem Papier nicht stehen.
Der versteckte Vorteil: bessere Datenlage
Ein Punkt, den viele übersehen: Fahrzeuge aus Deutschland haben oft eine bessere dokumentierte Historie als reine Schweizer Autos. Der Grund liegt an den Registern und Datenbanken, die es in Deutschland gibt und in der Schweiz nicht. Kommerzielle VIN-Reports liefern für deutsche Fahrzeuge deshalb häufig aussagekräftigere Ergebnisse.
Warum das so ist und wie Sie generell an eine Fahrzeughistorie kommen, erklären wir ausführlich im Artikel Fahrzeughistorie in der Schweiz ohne CARFAX.
Trotzdem gilt: Auch beim Import gehört die physische Prüfung dazu. Ein Import mit sauberen Papieren kann trotzdem Rost, verschwiegene Schäden oder einen zurückgedrehten Tacho haben. Bevor Sie kaufen und die Verzollung starten, arbeiten Sie die Checkliste zum Occasion prüfen durch.
Ein Wort zum Export in die EU
Der Weg funktioniert auch umgekehrt. Der Export aus der Schweiz in die EU, etwa zurück nach Deutschland, ist ebenfalls beliebt. Dafür brauchen Sie einen Ursprungsnachweis und Ausfuhrpapiere. Im Zielland kommen dann die dortigen Abgaben dazu, in Deutschland 19 % MWST plus Zulassung. Für die meisten Leser ist aber der Import in die Schweiz das relevante Szenario.
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Ein Import bindet Kapital in Steuern, Transport und MFK. Umso ärgerlicher, wenn das Fahrzeug am Ende Mängel hat, die Sie vor dem Kauf hätten sehen können. MotoPPI hilft Ihnen dabei: VIN-Prüfung über mehr als 20 Datenquellen, eine modellspezifische Checkliste für die Besichtigung und eine Schätzung der Reparaturkosten. So wissen Sie vor der Verzollung, ob sich der Import wirklich lohnt.
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FAQ
Wie viel Steuern zahle ich beim Autoimport in die Schweiz?
4 % Automobilsteuer und 8,1 % MWST auf den Fahrzeugwert. Bei einem Auto für 30’000 Euro sind das rund 1’180 CHF plus 2’485 CHF, zusammen etwa 3’600 bis 3’700 CHF.
Welches Formular brauche ich zwingend für die Zulassung?
Den Verzollungsnachweis, Formular 13.20 A. Ohne dieses Dokument lässt das kantonale Strassenverkehrsamt das Fahrzeug nicht zu.
Muss ein importiertes Auto zur MFK?
Ja, importierte Fahrzeuge müssen in der Regel zur Motorfahrzeugkontrolle, bevor sie zugelassen werden.
Lohnt sich der Import aus Deutschland finanziell?
Das hängt vom Modell, vom Preis und vom Wechselkurs ab. Rechnen Sie Kaufpreis, Steuern, Transport und MFK zusammen und vergleichen Sie mit einer Inland-Occasion. Oft, aber nicht immer, ist der Import günstiger.
Ist die Fahrzeughistorie bei Importen aus Deutschland besser?
Häufig ja. Deutschland hat mehr Register und Datenbanken, deshalb liefern VIN-Reports für deutsche Fahrzeuge oft aussagekräftigere Ergebnisse als für reine Schweizer Autos.