“Wie kann ich ein Auto vor dem Kauf kostenlos prüfen?” Diese Frage tippen jeden Tag Tausende Menschen in die Suchmaschine. Die ehrliche Antwort ist zweigeteilt: Einiges können Sie in Deutschland tatsächlich gratis prüfen, und zwar mehr, als viele denken. Aber die eine bequeme Gratis-Quelle, in die Sie einfach die FIN eintippen und die komplette Historie sehen, die gibt es hierzulande nicht.
Genau an diesem Missverständnis verlieren viele Käufer Geld. Sie erwarten eine offizielle kostenlose Datenbank wie in manchen anderen Ländern, finden sie nicht und verzichten dann frustriert ganz auf die Prüfung. Dabei ließe sich ein großer Teil der Risiken schon mit den kostenlosen Mitteln ausschließen.
In diesem Ratgeber trenne ich sauber: Was ist in Deutschland wirklich kostenlos? Wo hört das Gratis-Angebot auf? Und wann lohnt es sich, für Informationen zu bezahlen?
Der wichtigste Punkt: keine kostenlose Historien-Datenbank
Fangen wir mit der unbequemen Wahrheit an. Die zentrale Stelle für Fahrzeugdaten ist das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mit dem Zentralen Fahrzeugregister (ZFZR). Dort ist jedes zugelassene Fahrzeug erfasst. Aber die Daten zu Haltern und Fahrzeugen sind nach den Paragrafen 35 und 39 des Straßenverkehrsgesetzes gesetzlich nicht öffentlich, aus Datenschutzgründen.
Das bedeutet: Es gibt in Deutschland keine kostenlose, öffentlich zugängliche Datenbank, in die ein Privatkäufer eine FIN eintippt und Kilometerstände, Vorbesitzer oder Schadenshistorie abruft. Diese eine Quelle existiert schlicht nicht.
Ein häufiger Irrtum am Rande: HistoVec ist ein französischer Dienst, kein deutscher. In vielen Ratgebern wird er fälschlich als deutsche Gratis-Lösung genannt. Für ein deutsches Auto können Sie ihn nicht nutzen. Mehr dazu im Detail im Artikel FIN prüfen: warum es keine kostenlose Datenbank gibt.
Was Sie in Deutschland wirklich kostenlos prüfen können
Jetzt die gute Nachricht. Auch ohne zentrale Datenbank kommen Sie an eine ganze Reihe wichtiger Informationen, ohne einen Cent zu zahlen:
- Rückrufe beim Hersteller: Geben Sie die FIN auf der offiziellen Herstellerseite ein. Sie sehen, ob offene Werksmängel bestehen und ob die Reparatur schon durchgeführt wurde. Das KBA führt zusätzlich Listen zu Rückrufaktionen.
- Zahl der Vorhalter: Sie steht im Feld I der Zulassungsbescheinigung Teil I. Viele Halter in kurzer Zeit sind ein Warnsignal, das kostet nur einen prüfenden Blick.
- HU-Termin und Plakette: Auf dem hinteren Kennzeichen zeigt die Plakette den Monat der nächsten Hauptuntersuchung (die obere Zahl). Eine überfällige HU deutet auf Vernachlässigung hin.
- FIN am Auto vergleichen: Prüfen Sie, ob die FIN an Windschutzscheibe, B-Säule, Motorraum und in beiden Zulassungsbescheinigungen identisch ist. Eine Abweichung ist ein ernstes Alarmsignal.
- Google-Suche nach der FIN: Suchen Sie die FIN in Kombination mit “copart” oder “iaai”. Ging das Auto durch eine US-Salvage-Auktion, taucht es oft mit Schadensfotos aus der Zeit vor der Reparatur auf. Ein sehr wirksamer Gratis-Test, gerade bei Importen.
- Datenbanken gestohlener Fahrzeuge, national und über Interpol.
Diese Prüfungen kosten Sie nur Zeit, keine Kilometer und kein Geld. Sie filtern bereits einen erheblichen Teil der Problemfälle heraus.
Was die Probefahrt und Besichtigung gratis liefern
Die aussagekräftigste kostenlose Prüfung ist die eigene Besichtigung. Vor Ort sehen, hören und fühlen Sie Dinge, die keine Datenbank zeigt:
- Gleichmäßige Spaltmaße und einheitlicher Lack, Hinweise auf reparierte Unfallschäden.
- Rost an Schwellern, Radläufen und im Motorraum.
- Zustand von Reifen, Bremsen und Innenraum, passt die Abnutzung zum angegebenen Kilometerstand?
- Kaltstart des Motors, Geräusche, Rauch aus dem Auspuff.
- Auf der Probefahrt: Lenkung, Bremsen, Schaltung, Geradeauslauf, Warnleuchten.
Das kostet nichts außer Aufmerksamkeit. Eine strukturierte Anleitung finden Sie in unserem Ratgeber Gebrauchtwagen prüfen in Deutschland.
Wo das Gratis-Angebot an seine Grenzen stößt
So nützlich die kostenlosen Mittel sind, sie haben klare Lücken. Diese Dinge bekommen Sie gratis nicht:
- Kilometerstände über die Zeit: Ohne eine kommerzielle Datenbank sehen Sie nicht, ob der Tacho in der Vergangenheit zurückgedreht wurde. Und Tachobetrug ist teuer: Laut ADAC entstehen dadurch rund 6 Milliarden Euro Schaden pro Jahr, und der Käufer eines manipulierten Autos zahlt im Schnitt etwa 36 Prozent zu viel.
- Ausländische Unfall- und Schadenshistorie: Bei einem Importauto beginnt die deutsche Historie erst mit der Zulassung hier. Alles davor bleibt gratis unsichtbar.
- Lückenlose Halterkette und Auslandsvorbesitzer.
Gerade bei Importen ist das Risiko erhöht. Der Anteil manipulierter Tachos liegt bei importierten Autos laut carVertical bei 4,6 Prozent gegenüber nur 0,9 Prozent bei lokalen Fahrzeugen, bei importierten BMW sogar bei rund 6,5 Prozent.
Was kostet Geld, und wann lohnt es sich?
Weil die zentrale Gratis-Quelle fehlt, sind in Deutschland kostenpflichtige Angebote oft die sinnvollste Ergänzung, besonders bei Importen und bei teuren Autos. Zur Orientierung typische Preise:
- Kommerzielle Historien-Berichte: carVertical liegt bei etwa 24,99 Euro, CARFAX Europe bei rund 44,99 $. Weitere Anbieter sind autoDNA und checkdenwagen.de. Sie bündeln Daten aus vielen Ländern.
- Digitale Servicehistorie beim Markenhändler: Per FIN druckt der Vertragshändler jeden Werkstattbesuch mit Kilometerstand aus. Ein besonders zuverlässiger und oft günstiger Weg gegen Tachobetrug.
- Technische Untersuchung: Ein DEKRA Gebrauchtwagen-Check kostet ab etwa 49 Euro, ein TÜV SÜD Check ab rund 70 Euro, ein umfassender Check liegt bei 100 bis 150 Euro.
Die Rechnung ist einfach: Wenn ein gedrehter Tacho Sie im Schnitt 36 Prozent zu viel kosten kann, sind 25 Euro für einen Bericht gut investiert, sobald der Wagen einige Tausend Euro kostet oder ein Import ist.
Meine ehrliche Empfehlung
Nutzen Sie zuerst konsequent alle kostenlosen Mittel: Rückrufe, Halterzahl, HU-Plakette, FIN-Abgleich, Google-Suche und eine gründliche Besichtigung. Damit sieben Sie viele Autos aus, ohne einen Cent auszugeben.
Für die Informationen, die gratis nicht zu bekommen sind, also vor allem die Kilometerhistorie und ausländische Schäden, lohnt sich bei einem ernsthaften Kaufkandidaten der kostenpflichtige Schritt. Nicht bei jedem Auto, aber immer dann, wenn es sich um einen Import handelt oder wenn viel Geld auf dem Spiel steht.
MotoPPI: die kostenlosen Quellen an einem Ort
Der Nachteil der deutschen Situation ist der Aufwand: verschiedene Rückruf-Seiten, Google-Suchen, ausländische Datenbanken, alles einzeln. MotoPPI nimmt Ihnen diese Kleinarbeit ab. Sie fügen den Inserat-Link oder die FIN ein, und der Bericht kombiniert Historie aus über 20 Datenbanken, Herkunft, Salvage-Auktionen und Warnhinweise, dazu eine fertige Checkliste für die Besichtigung vor Ort.
Die erste Prüfung ist kostenlos, danach ab 9,99 $. So können Sie vor dem Kauf prüfen, bevor Sie sich für einen kostenpflichtigen Vollbericht entscheiden. MotoPPI im App Store laden.
Häufige Fragen
Gibt es in Deutschland eine kostenlose FIN-Abfrage?
Keine offizielle öffentliche Datenbank. Kostenlos prüfen Sie Herstellerrückrufe, die Halterzahl aus den Papieren und mit etwas Glück US-Auktionsfunde über die Google-Suche. Die vollständige Kilometer- und Schadenshistorie ist gratis nicht abrufbar.
Ist HistoVec eine deutsche Gratis-Lösung?
Nein. HistoVec ist ein französischer staatlicher Dienst und gilt nicht für deutsche Fahrzeuge. Er wird in Ratgebern oft irrtümlich als deutsche Lösung genannt.
Lohnt sich ein kostenpflichtiger Bericht immer?
Nicht bei jedem Auto. Bei einem lückenlos in Deutschland gehaltenen Fahrzeug mit Serviceheft reichen oft die kostenlosen Mittel. Bei Importen und bei teuren Autos ist ein Bericht dagegen fast immer sein Geld wert.
Wie viel kostet eine technische Prüfung?
Ein DEKRA Gebrauchtwagen-Check startet bei etwa 49 Euro, ein TÜV SÜD Check bei rund 70 Euro. Ein umfassender Check liegt bei 100 bis 150 Euro.
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